Schon seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert war die Montanindustrie für Ludwigsstadt und das obere Loquitztal ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. War die Herrschaft ursprünglich landwirtschaftlich geprägt, änderte sich dies nach 1470 mit der Errichtung von Eisenhammerwerken und einer Saigerhütte (Kupferschmelzhütte) unterhalb Ludwigsstadts. Diese Hütte, 1486 erstmals erwähnt, betrieben Nürnberger und zeitweise Leipziger Kaufleute. Sie entwickelte sich schnell zu einer der bedeutenden Saigerhütten im Thüringer Wald. Verhüttet wurde „Schwarzkupfer“ aus dem Mansfeld – Eislebener Kupferschieferbergbaugebiet. Es bestanden Handelsverbindungen über ganz Europa. Von 1583 – 1619 waren die benachbarten Saigerhütten Gräfenthal und Ludwigsstadt unter der Bezeichnung „Gräfenthalische Gesellschaft“ zusammengeschlossen. Betreiber waren Nürnberger Kaufleute. Von 1619 bis zu ihrer kriegsbedingten Einstellung 1631 war die Saigerhütte im Besitz der Stadt Leipzig.
Neben diesem Großbetrieb spielten über Jahrhunderte mehrere Eisenhämmer und ein Kupferhammer eine große wirtschaftliche Rolle in Herrschaft und Amt Lauenstein. Daneben entstanden im 16. Jahrhundert eine Reihe von Mahl, Schneid und Ölmühlen um Ludwigsstadt. 1529 privilegiert Friedrich von Thüna für das Tuchmacherhandwerk die Errichtung einer „Walkmühle in der Au“.
In der aufstrebenden Bürgerschaft bilden sich nach und nach verschiedene Institutionen heraus. So wurde 1612 die Schützengesellschaft Ludwigsstadt erstmals schriftlich erwähnt.
Der 30jährige Krieg brachte die positive wirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand. Ab 1632 brach der Krieg mit all seinen Grausamkeiten auch über das Amt Lauenstein herein. In diesem Jahr fielen erstmals die kaiserlichen Kronacher mit Raub und Plünderung über Ludwigsstadt und seine Nachbarorte her. In den benachbarten sächsischen Landen lagerten 11.000 Mann schwedische Völker die „die ganze Gegend ruinierten und bis aufs letzte aussaugten, so daß die Menschen fast nichts mehr zu ihrem eigenen Bedürfnis hatten“.
Plünderungen in den Jahren 1633/34 durch die kaiserlichen Kronacher waren an der Tagesordnung. Viele Einwohner wurden dabei ermordet. Eine Belagerung der Burg Lauenstein durch kaiserliches Kriegsvolk mußte unverrichteter Dinge abgebrochen werden, da die Burg in sehr gutem Verteidigungszustand war. Dafür wurden aber umliegenden Ortschaften geplündert und gebrandschatzt.
Das Jahr 1634 war das schlimmste des ganzen Krieges. Zu all den Schrecken kam die Pest. In Ludwigsstadt, Lauenstein, Ebersdorf, Lauenhain, Ottendorf und Steinbach a. der Haide starben in diesem Jahr 573 Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Bis zum Ende des schrecklichen Krieges kam es noch häufiger zu Plünderungen, Belagerungen und zu Truppendurchzügen.
Es dauerte viele Jahrzehnte bis sich das Land von dieser Katastrophe wieder einigermaßen erholte.
Die Ritter von Thüna verkauften 1622 Herrschaft und Burg Lauenstein an Markgraf Christian von Brandenburg – Bayreuth.
Seitdem war Ludwigsstadt Bestandteil des „Markgräflich Brandenburg- Bayreuthischen Kastenamtes Lauenstein“.
1787 zählte Ludwigsstadt 114 Häuser. Die Bevölkerung umfaßte 660 Einwohner, davon 133 Männer, 141 Frauen, 256 Kinder sowie 60 Gesellen und Mägde.
Sie teilten sich auf in: 107 Handwerker, 15 Bauern, 11 Tagelöhner.
Der Viehbestand betrug zu jener Zeit: 4 Pferde, 99 Ochsen, 42 Stiere, 113 Kühe, 47 Kälber, 207 Schafe und 143 Schweine.
Nach der Abdankung des Markgrafen Alexander von Ansbach – Bayreuth fiel Ludwigsstadt 1792 mit dem Amt Lauenstein an das Königreich Preußen. 1803 kam es durch einen Grenz- und Landestauschvertrag (30. Juni 1803) zwischen Preußen und Bayern zum Kurfürstentum Bayern. 1806 war das Landgericht Lauenstein nach Ludwigsstadt verlegt worden, aber erst 1837 wurde der Name der Behörde in Landgericht Ludwigsstadt geändert.
Auf Grund eines königlich bayerischen Befehls wird Ludwigsstadt seit 1837 mit ss geschrieben. (Ludwigsstadt)
Mit dem beginnenden Niedergang der metallverarbeitenden Industrie im Loquitztal ab ca. 1830 gewann der Schieferbergbau und die Schiefertafelproduktion zunehmend an Bedeutung. Ludwigsstadt und seine Umgebung wurden in den folgenden Jahrzehnten zu einem bedeutenden Zentrum der Schiefertafelindustrie in Deutschland.
Der Bau der Eisenbahnlinie über Frankenwald und Schiefergebirge und der damit verbundene Anschluß an das deutsche Eisenbahnnetz von 1883 bis 1885 förderte den wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region. Die neue Eisenbahnlinie wurde schon bald zu einer der wichtigen Nord- Süd Verbindungen.
Der Ortsteil Thünahof (mundartlich „Schofig“) leitet seinen Namen von dem Geschlecht der Ritter von Thüna ab. Diese besaßen hier ein herrschaftliches Vorwerk. Der ursprüngliche „Schafhof“ entstand vermutlich schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Nach dem Verkauf 1712 teilte man den herrschaftliche Hof und bildete sieben Bauernhöfe daraus.
Der Ortsteil Ottendorf entstand vermutlich schon in der Zeit der ersten Rodungsperiode im 12. Jahrhundert. Der Ort gehörte kirchlich zu Ludwigsstadt. 1412 erhielt er neben Ludwigsstadt, Lauenstein und Ebersdorf das Braurecht verliehen.
Am 1. April 1938 wurde Ottendorf mit einer Fläche von 422 ha und 231 Einwohnern nach Ludwigsstadt eingemeindet.
Der Ortsteil Neuhüttendorf bezeichnet die langgestreckte Siedlung zwischen Ludwigsstadt und Lauenstein entlang der Loquitz. Es ist geteilt in Unter- und Oberneuhüttendorf, ersteres gehört zur Gemarkung Lauenstein, letzteres zur Gemarkung Ludwigsstadt. Der Ortsteil hat seinen Namen von dem im 15. Jahrhundert hier neu entstandenen Industriestandort mit Hammerwerken und Schmelzhütten.
Im 16. Jahrhundert waren hier ein Eisenhammer, der Großbetrieb Saigerhütte, ein Kupferhammer und vier Mühlen in Betrieb.
Bis zum 2. Weltkrieg dominierte auf industriellen Gebiet die Schiefer- bzw. Schiefertafelproduktion. Nebenher bestand ein breitgefächertes Kleingewerbe.
Heute haben Holzverarbeitung, Nahrungsmittelbetriebe, Drahtgewebeherstellung, chemisch-kosmetische Produktion, Brauerei, Werkzeug- und Formenbaubetriebe, Metallverarbeitung, Herstellung von medizinischen Geräten, Energieversorgung, Glas- und Porzellanindustrie und nicht zuletzt auch der Fremdenverkehr eine gesunde wirtschaftliche Struktur im Ludwigsstadt-Tettauer Raum geschaffen.