Märchenpfad Lauenstein

Märchenpfad Lauenstein

!!! Bitte beachten Sie: Aufgrund der flächigen Waldumbaumaßnahmen im gesamten Bereich Lauenstein kann es immer wieder zu Teilsperrungen des Weges kommen. Auch wenn die Wege nicht gesperrt sind, seien Sie achtsam!

Schauen Sie sich rechts und links um. Bäume (besonders abgestorbenen Fichten) können umfallen oder bereits den Weg versperren. Betreten Sie diese Wegabschnitte dann nicht. Wir versuchen, die Wege frei zu halten und so sicher wie möglich für die Besucher zu gestalten. Manchmal ist dennoch das Wetter (Wind, Sturm, Unwetter) schneller und wir können nicht alle Bereiche sofort freilegen. !!!

Herzlich Willkommen auf dem Märchenpfad Lauenstein!

Unser Wichtel Waldi begleitet Dich auf dem Weg durch Wald und Flur rund um Lauenstein. Auf unserem Märchenpfad findest Du statt der bekannten Grimm-Märchen Sagen und Geschichten rund um die wichtigsten Akteure des Waldes – nämlich die einzelnen Bäume und regionale Erzählungen aus Lauenstein.

Sicher ist Dir schon aufgefallen, dass jede Baumart ganz spezielle Eigenschaften besitzt. Manchmal sehen die Blätter sehr ungewöhnlich aus, manch ein Baum verliert im Winter seine Nadeln – was bei Nadelbäumen doch eher die Ausnahme ist.

Du findest entlang des Weges aber auch Geschichten, die es nur hier gibt. Die Sage von der Weißen Frau oder die Geschichte über die goldene Tür am Falkenstein gehören dazu.

Entlang des Weges gibt es für Dich viel Abwechslung. An einigen Stationen kannst Du selbst die Sage lesen oder Dir von Deinen Eltern vorlesen kann. An anderen Stationen kannst Du die Geschichten anhören und an der einen oder anderen Station musst Du selbst aktiv werden, um die Geschichte zu hören.

Für Deine Erkundungstour empfehlen wir, dass Du eine Broschüre „Märchenpfad Lauenstein“ mitnimmst. Neben dem Wegeverlauf erhältst Du Informationen zu den einzelnen Stationen und den dazugehörigen Sagen.

Wenn Du und Deine Eltern mit einem Smartphone ausgerüstet seid, könnt ihr diese Seiten für die Tour nutzen. An den einzelnen Stationen findest Du immer den Beginn einer Geschichte, die gesamten Texte findest Du in unserer Broschüre oder hier auf dieser Seite.

Wir wünschen Dir viel Spaß und lehrreiche Unterhaltung auf unserem Märchenpfad Lauenstein!

Infos zum Weg

Der Märchenpfad verläuft entlang des FrankenwaldSteigla „Wetzsteinmacherweg“. Nur auf ein paar hundert Metern sind die Wegverläufe nicht identisch.

Gesamtlänge: 5,7 Kilometer (Die Gesamttour kann geteilt werden – siehe gestrichelte Linie im Plan)

Stationen: 13 Stationen entlang des Weges mit verschiedenen Baumgeschichten und Sagen rund um Lauenstein

Dauer: 3,5 Stunden inkl. kurzem Aufenthalt an jeder Station

Markierungszeichen: Wetzsteinmacherweg mit Zusatzaufkleber Wichtel

Schwierigkeitsgrad: mittel, aufgrund teilweiser Pfade für Kinderwägen nicht geeignet

Wegeverlauf Märchenpfad mit Stationen

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Zur Weihnachtszeit ging Frau Holle über Land. Sie lauschte auf die Stimmen der Menschen, der Tiere und Pflanzen. Wenn sie eine Klage vernahm, half sie, wo sie nur konnte. So begegnete sie auch einem Strauch, der mit zitternden kahlen Ästen im weiten Winterfeld stand und klagte. „Was jammerst du, Strauch?“, fragte die himmlische Frau und hielt in ihrem Schritt inne. „Ach, ich muss hier einsam stehen“, seufzte er, „niemand achtet Mein, weil mein Holz zu nichts nütze ist. Selbst der Besenbinder, der die Ruten der Birke in seine Hütte holt, geht an mir vorüber. Gib meinem Holz doch nur eine Festigkeit, so wird der Mensch auch nach mir greifen!“

Voll tiefen Mitleids streichelte die gütige Frau die starren Triebe des Strauches. „Du bist auf deine Weise doch auch schön“, sagte sie, „aber weil es dein Wunsch ist, zu den Menschen zu kommen, will ich ihn erfüllen. Zwar kann ich deine Gestalt nicht ändern, doch will ich dir eine Kraft geben, die dich vor allen anderen Hölzern begehrenswert macht.“ Dann nahm sie Abschied und ging.

Als nun die warmen Tage des Frühlings kamen, da überdeckte sich der Strauch über und über mit Blüten, die wie Teller gegen die Sonne standen und deren so viele waren, dass kein Mensch sie zählen konnte. Als der Herbst einzog, da wurden lauter glänzende schwarze Beeren daraus, mit einem Saft, so rot wie roter Wein.

Die Menschen sahen das, brachen die Blüten und kochten Tee daraus; der half gegen Fieber und Kälte des Blutes und die Beeren gaben eine köstliche Speise. Schließlich holten sie den Strauch an ihre Hütten und Häuser, bis es keinen Garten mehr gab, in dem er nicht stand, und keinen Zaun, über den im frühen Sommer nicht seine Blütenfülle brach. Die Kinder spielten in seinem Schatten, die Kranken genasen durch ihn und selbst den Toten wurde ein Zweiglein mit in den Sarg gegeben.

Die Leute nannten ihn „Holles Baum“ oder „Hollerbusch“. Niemand durfte ihn sinnlos abhauen. Seine Heilkraft hat er bis heute bewahrt.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Vor langer, langer Zeit besuchte einst der Teufel im Spätsommer die Erde, um sich bei allen Lebewesen Respekt zu verschaffen. Beginnen wollte er dabei mit den Bäumen.

Zuerst begegnete ihm die schlanke Birke. „Weißt du, wer ich bin?“, fragte der Teufel und seine dämonische Stimme ließ die Birke erzittern. „Weißt du, wer ich bin?“, wiederholte der Teufel und funkelte die arme Birke aus abgrundtief bösen Augen an. Nun erst konnte ihm der ängstliche Baum eine Antwort geben: „Ja, ich erkenne dich!“, stotterte die Birke. „Du bist der Teufel der Unterwelt!“, „Weshalb verneigst du dich dann nicht vor mir?“ Die grauenhafte Stimme des Teufels ließ die zierliche Birke erneut angstvoll erbeben, doch sie verneigte sich tapfer vor dem Teufel. Der aber lachte nur hämisch: „So gefällt es mir! Doch sei fürs nächste Mal gewarnt, hörst Du?“

Die anderen Bäume aber hatten, beinahe starr vor Angst, den Zwischenfall beobachtet. Und als der Teufel nun kam, um auch sie heimzusuchen, da brauchte er kein Wort mehr zu sagen, denn sein bloßer Anblick genügte, und alle Bäume, sei es nun Weide, Buche oder Ahorn, verneigten sich ehrfurchtsvoll, so tief sie nur konnten!

Als letztes traf der Teufel auf die alte Esche und wartete stolz auf ihre Verbeugung. Doch die Esche rührte sich nicht. „Na, willst du mich nicht auch begrüßen?“, fragte der Teufel ungeduldig. Doch die furchtlose Esche blieb wiederum stumm. „Verneige dich!“, schrie der Teufel nun zornig. Aufrecht und hoheitsvoll stand die Esche da und dachte nicht im Traum daran, dem Höllenfürsten auch nur die geringste Beachtung zu schenken. Dieser aber explodierte fast vor Wut und stieß mit aller Kraft seinen Atem aus, solange bis die Esche von Höllenflammen nur so umringt war.

Entsetzt beobachteten die anderen Bäume, wie die Blätter der Esche im Nu verbrannten und ihre Knospen so schwarz wurden wie Ruß.

Die Esche aber stand noch immer stolz und aufrecht, denn die kleinen Blätter und Triebe in den Knospen blieben gottlob unversehrt und trieben im nächsten Frühjahr wieder neu.
Als der Teufel spürte, dass er gegen die Stärke der Esche nahezu machtlos war, machte er auf dem Fuße kehrt und fuhr zurück zur Hölle. Alle anderen Lebewesen dieser Erde jedoch blieben dank der mutigen Esche von seinem Zorn verschont.

Schwarze Knospen aber, die wie verrußt aussehen, trägt die stolze Esche als einziger Baum noch bis zum heutigen Tag.

Baumwissen: Die Esche (Fraxinus excelsior)

In Auenwäldern und in feuchten Bachtälern ist die Esche eine häufige Baumart. Sie prägt wertvolle, oft bedrohte Lebensräume, ist aber auch für die Forstwirtschaft wichtig. In Laubmischwäldern wächst sie schnell; ihr zähes und biegsames Holz wird sehr geschätzt.

 

Vorkommen und Aussehen

Die Gattung Fraxinus umfasst weltweit etwa 65 Baum- und Straucharten und gehört zur Familie der Ölbaumgewächse. In Europa gibt es lediglich drei Eschenarten: die Blumen- oder Mannaesche (Fraxinus ornus) und die Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) kommen nur im südlichen Europa vor und erreichen eine Baumhöhe von 20 bis 30 m. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) wächst zu einem noch stattlicheren Baum von über 40 m Höhe. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Westeuropa bis zum Ural sowie bis Südskandinavien.

Bei günstigen Voraussetzungen kann die tiefwurzelnde Esche auf den von ihr bevorzugten gut durchlüfteten, tiefgründigen und basenreichen Böden ein Alter von etwa 300 Jahre erreichen. Keine Seltenheit sind bis 20 m lange, astfreie Stammteile, bevor die eher lichte Krone mit den steil aufragenden Ästen beginnt.

An den grauen bis grünlichen Zweigen befinden sich gegenständige, unpaarig gefiederte bis etwa 20 cm lange Blätter mit 9 – 15 feinscharf gezähnten Teilblättern. Im Gegensatz zu andern Laubbaumarten treiben die Eschenblätter erst im späten Frühling aus. Dafür spriessen die purpurroten, fast kugeligen Blütentrauben aus den pechschwarzen, kugelförmigen Seitenknospen bereits einige Wochen vor dem Laubausbruch. Im Herbst wirft die Esche als einzige einheimische Baumart ihre Blätter im grünen Zustand ab. Im Gegensatz dazu bleiben die reifen, braunen Früchte in Form zweisamiger Nüsse mit einseitigen Flügeln über den ganzen Winter hindurch an den Ästchen.

Die Rinde der Esche ist bis etwa zum vierzigsten Lebensjahr glatt und von hellgrünlich-grauer Farbe. Mit zunehmendem Alter wird sie dunkel bis schwarzgrau und reisst borkig in länglich-rhombische Felder auf. Bezogen auf die Stammzahl ist dieses wertvolle Laubholz gemäss LFI bei uns mit 3,7% vertreten.

 

Bedeutung, Holz und dessen Verwendung

Die Esche ist seit Jahrtausenden geschätzt. Bereits während der Jungsteinzeit diente ihr Laub als Viehfutter. Zur Laubgewinnung wurden jährlich einige Zweige gleich nach dem Austrieb abgehauen (sogenanntes „Schneiteln“), getrocknet und dann als Laubheu für die Winterzeit eingelagert. Noch heute sind in abgelegenen Tälern Eschen zu sehen, die der Bevölkerung bis vor wenigen Jahrzehnten als Futterbäume für ihr Vieh dienten.

Das sehr zähe und biegsame Eschenholz zählt zu den festen und tragfähigsten Hölzern. Mit rund siebzig Jahren setzt die Verkernung des Holzes ein, dessen Farbe normalerweise gelbbräunlich ist. Das je nach Wuchsstandort mehr oder weniger oft anzutreffende braune bis dunkelbraune Kernholz entspricht nicht dem heutigen Modetrend nach hellem Holz.

Wegen seiner vielen wertvollen Eigenschaften ist Eschenholz sehr begehrt. Es weist gute Festigkeitswerte auf. Es schwindet wenig und lässt sich manuell und maschinell gut bearbeiten. Für den Innenbau ist Eschenholz mit hellem Kern gefragt und findet dort häufig Verwendung als Parkett oder Fussbodendiele, als Treppenstufen und -geländer sowie für Möbel in Küche, Wohn- und Schlafräumen. Der Vorteil der Elastizität des Eschenholzes findet in verschiedenen Sportgeräten, wie beispielsweise Ski, Schlitten, Barrenholme, Ruder, Speere und Bögen Verwendung. Obwohl Eschenholz von seiner früheren Verwendung bei Drechslern und Wagnern viel an Bedeutung verloren hat, ist es nach wie vor zur Herstellung von Werkzeugstielen begehrt. In der zur Zeit grössten Stielwarenfabrik der Schweiz im aargauischen Fischbach-Göslikon werden jährlich rund 15’000 m3 Eschenstammholz verarbeitet.

 

Waldbauliche- und ökologische Bedeutung

Die sich reichlich verjüngende Esche ist als wichtige Mischbaumart aufgrund ihrer hohen Wuchsleistung sowie ihrer guten Holzqualität von grosser Bedeutung für die Forstwirtschaft. Die ökologische Bedeutung der Esche ist vielfältig. Zum einen bietet sie zahlreichen Insekten und Vögeln einen wichtigen Lebensraum. Wildtiere ernähren sich von Zweigen und Knospen der Jungpflanzen, dies allerdings nicht immer zur Freude der Forstleute! Zum andern zersetzen sich die im Herbst auf den Boden fallenden Eschenblätter „zügig“. Die wertvolle Streu wirkt bodenverbessernd, humusbildend und sorgt für ein reiches Bodenleben.

Die Esche eignet sich auch als Stabilisator von rutschgefährdeten Hängen, speziell aber von Bach- und Flussufern. Ihr weitreichendes und dichtes Wurzelwerk befestigt Uferböschungen und verhindert dadurch Unterspülungen und Abschwemmungen.

 

Der Name

Der Name der Esche ist auf das Germanische zurück zu führen und hiess im Althochdeutschen «ask», was Speer oder Bogen bedeutete. Eine weitere Ableitung von Esche stammt vom Keltischen «eska», was gleichbedeutend ist wie Wasser. In unseren vielfältigen Mundarten tönt der Baumname allerdings immer wieder ähnlich: Esche, Eesche, Eschschä, Ösche, Ösch, Äschä, Eisch. Namen wie „Bogenbaum“, „Geissbaum“, „Wundbaum“ weisen auf die Verwendung dieses Baumes hin.

Auch Ortsnamen erinnern an diesen stattlichen Laubbaum: Eschenz, Eschen-Nendeln, Eschental sowie Eschenbach (einem mit Eschen bestandenen Bach). Die im französischsprachig gelegenen Ortschaften wie Fresnes, Fresne, Fresnoy, Le Fresse, Le Frêche etc. leiten ihre Herkunft vom lateinischen „fraxinus“ ab (Esche französisch = frêne). Auch teils berühmte Geschlechter verdanken ihren Familiennamen dieser Baumart; Esch, Escher, Eschenbach (Freiherr von), Eschenmoser, Eschmann, Aschmann.
Mythologie und Brauchtum

Im Vergleich mit beispielsweise der Eiche oder der Linde führt die Esche eher ein Schattendasein bei Dichtern, Komponisten und in der Mythologie. In der germanischen Mythologie ist die Weltesche (Yggdrasil) die Mitte des Universums. Mit ihrer Krone schafft sie die Verbindung zum Himmel, mit ihrem Stamm zur Erde und mit ihren Wurzeln zur Unterwelt. Unsere Vorfahren waren von vielen unterschiedlichen, nützlichen Eigenschaften der Esche überzeugt. So soll sie Unheil abwehrende Kräfte in sich haben. Ihr Saft schützt vor dem Biss der Schlange. Dass Schlangen grosser Respekt vor der Esche nachgesagt wurde, belegt folgender alter Spruch:

    Ich bin von den Alten gelart,
    der Eschenbaum hab diese Art,
    dass keine Schlange unter ihm bleib,
    der Schatten auch hinweg sie treib,
    ja die Schlange eher ins Feuer hinläuft,
    eh sie durch seinen Schatten schleift.

Eschenholz in Kleider eingenäht lasse blutende Wunden versiegen (dieser Glaube dürfte seinen Ursprung im hohen Gerbstoffgehalt der Rinde haben). Fischer sprachen dem Holz einen speziellen Zauber nach. Sie waren davon überzeugt, dass aus Eschenholz angefertigte Ruder und Bootsrippen vor dem Ertrinken bewahren.

Eschen sollen auch Unwetter abhalten – und nicht nur meteorologische! Bei den Römern galt diese Baumart als Symbol einer glücklichen Ehe und bei den Schotten bewahrte ein über das Bett gehängter Eschenzweig vor einem Ehegewitter. Noch heute bei Wetterpropheten bekannt ist die alte Bauernregel:

    Grünt die Eiche vor der Esche,
    hält der Sommer grosse Wäsche.
    Grünt die Esche vor der Eiche,
    bringt der Sommer grosse Bleiche.

 

 

Quelle: www.waldwissen.net

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Es lebte einmal vor langer, langer Zeit ein armer Bauer, der hatte eine liebe Frau und viele Kinder, aber kaum Geld und zum Essen nur das Nötigste. Jeden Tag aufs Neue mussten der Mann und seine Familie ums Überleben kämpfen. Eines Tages dann, als Hunger und Durst wieder einmal unerträglich wurden, verzweifelte der arme Bauer voll und ganz, und obgleich er ein recht frommer Mann war, klagte er: „Uns kann doch nur der Teufel helfen!“

Noch ehe er den Satz zu Ende gesprochen hatte, gab es einen lauten Knall und der Teufel erschien. Zu Tode erschrocken wich der Bauer zurück und es dauerte eine ganze Weile, bis er seine Besinnung wiederfand. Dann jedoch erzählte er dem Teufel tapfer von seinen Wünschen: „Ein Stück Feld bräuchte ich so dringend und ein paar Pferde und einen Pflug, um es zu bearbeiten. So könnte ich endlich meine Familie ernähren!“

Der Teufel versprach dem Bauern einen Topf voller Goldstücke, wollte dafür aber die Seele der Unglücklichen. „Eine Nacht gebe ich dir Bedenkzeit“, so sprach der Höllenfürst, „jedoch sobald die Sonne morgen aufgeht, verlange ich deine Antwort!“. Dann war er wieder verschwunden.

In seiner Not lief der Bauer zu seiner klugen Frau und sie berieten sich die ganze Nacht. Als am nächsten Morgen der Teufel kam, um sich seine Antwort zu holen, willigte der arme Bauer schließlich ein. „Gut“, sprach der Teufel hämisch und gab dem Bauern den Topf voller Goldstücke, „in einem halben Jahr werde ich kommen, dich zu holen!“ „Bitte, Teufel“, gab ihm der Bauer listig zur Antwort, „das ist zu kurz. In dieser Zeit schafft es der beste Landmann nicht, so viele hungrige Mäuler zu stopfen! Hole mich erst dann, wenn alles Laub von den Bäumen abgefallen ist.“

Auch das schien dem Bösen recht zu sein, denn er verschwand noch im selben Augenblick. Der Bauer kaufte mit dem Gold ein Stück Land, ein paar Pferde und einen Pflug, gerade so, wie er es sich immer erträumt hatte und begann sogleich mit der Arbeit.

Nach einigen Wochen bereits hatte die Familie wieder zu essen und nach einigen Monaten litten sie endlich keine Not mehr.

Als dann der Herbst über das Land kam und die Bäume ihr Laub verloren, erschien der Teufel erneut, um sich die Seele des Bauern zu holen. Der Bauer aber sprach: „Sieh hinüber zum Eichenwald, Teufel, denn an den Ästen der Eiche hängen die Blätter immer noch in voller Pracht“. Ungeduldig verschwand der Teufel, kehrte aber alle paar Tage wieder zurück, um nach den Blättern der Eichen zu sehen. Die Eichenblätter aber fielen den ganzen Winter über nicht ab, sondern blieben hängen, bis im Frühjahr schließlich neue Blätter wuchsen.

Da erst merkte der dumme Teufel, wie sehr der alte Bauer ihn doch hereingelegt hatte. Außer sich vor Zorn raste der Teufel durch den Eichenwald und rüttelte an sämtlichen Stämmen und Ästen, um die Blätter zum Fallen zu bringen. Doch natürlich nützte ihm auch das nichts mehr. In seiner blinden Wut fuchtelte er mit seinen Armen wild um sich und schlug seine langen Krallen hasserfüllt in die jungen Blätter der Eiche.

Zwar hingen die jungen Blätter immer noch am Baum, doch hatten die scharfen Krallen des Teufels ihnen arg zugesetzt. Hatten die Eichenblätter zuvor noch einen schönen glatten Rand, so waren sie nun auf merkwürdige Art und Weise stark gewellt. Der gedemütigte Teufel verschwand noch im gleichen Moment und wurde in der Gegend nie mehr gesehen, so dass der Bauer ohne Schaden davon kam.

Die Eichenblätter haben bis zum heutigen Tag ihre sonderbare Form behalten, so dass auch Du die Spuren von des Teufels Krallen erkennen kannst.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Als im Jahr 915 König Konrad von Franken das feindliche Volk der Sorben besiegt hatte, wollte er die Nordgrenze seines Reiches durch den Bau einer Burg sichern. Auf dem Gipfel des Schwarzberges, am rechten Ufer der Loquitz, sollte sie errichtet werden. Doch alles, was die besiegten Sorben am Tag aufrichten mussten, stürzte nachts wieder ein.

Bald erzählte man sich, dass dies ein Werk des Teufels sei. Mit allen Mitteln versuchte nun der König den unheilvollen Mächten der Finsternis entgegenzuarbeiten.

In der Nacht wurden zahlreiche und starke Wachen rings um den Berg verteilt, mächtige Feuer wurden entzündet, so dass die ganze Gegend taghell erleuchtet war.

Als jedoch die Mitternachtsstunde herannahte, da erloschen plötzlich die Feuer, die Wachen sanken in einen tiefen Schlaf und am anderen Morgen fand man das Werk des verflossenen Tages wieder zerstört.

Eines Tages, als der König schon fast am Verzweifeln war, hörte er, dass ein frommer Einsiedler nicht weit in einer Höhle im Wald wohnte, dem von Gott die Fähigkeit verliehen worden war, Dinge vorauszusagen. Dieser riet dem König, er solle an dem Ort, wo der Teufel sein Zerstörungswerk getrieben hatte, seinen Königsmantel zerreißen und aus den Fetzen ein Seil knüpfen. Mit diesem Seil solle er sich gegen Westen wenden und es am anderen Ufer der Loquitz um den Gipfel eines einsamen Berges legen und dort seine Burg aufrichten.

König Konrad tat, wie ihm geheißen und schnell und mächtig wuchs eine Burg empor. Und das Volk nannte die Burg von nun an die Mantelburg.

 

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Vor über tausend Jahren lebte in einem kleinen Dörfchen ein junger Bauer, der sich hoffnungslos in das schönste Mädchen des ganzen Dorfes verliebt hatte. Dummerweise gab es in dem Dorf noch einen anderen jungen Mann, einen Kaufmann und Händler, der das Mädchen ebenfalls wollte. Die Umworbene konnte sich aber für keinen der beiden entscheiden, und so bemühte sich jeder der jungen Männer, die Geliebte für sich zu gewinnen, indem sie sie ständig umschmeichelten und mit kleinen Geschenken überhäuften.

Das zog sich über viele Monate, ja sogar Jahre hin. Und irgendwie gefiel es dem Mädchen, ständig beachtet, verwöhnt und von zwei so jungen und hübschen Burschen geliebt zu werden. Die beiden Männer jedoch, die ja erbitterte Widersacher um die Liebe des Mädchens waren, begannen sich zu hassen. Das Dorf sah diesem Treiben anfangs belustigt, nach und nach aber verärgert zu, so dass der Dorfälteste schließlich zu dem Mädchen ging und ihm befahl, sich endlich zu entscheiden.

Aber das Mädchen mochte eigentlich beide und wusste nicht, wessen Frau sie werden sollte. Deshalb sagte sie, um die Größe der Liebe der beiden zu testen, zu den Männern: „Ich mag euch wirklich sehr! Aber ich werde die Frau des Mannes werden, der mir morgen früh das schönste Geschenk übergibt!“

Der Kaufmann freute sich und sah sich bereits als Sieger. Er rief: „Ha! Auf meinen vielen Reisen und Fahrten, die ich als Händler unternommen habe, hab ich ein paar wunderschöne Schmuckstücke kaufen können, außerdem wertvolle Tücher und erlesene und wohlriechende Salben und Düfte! Kein Zweifel! Das schönste Geschenk, das werde ich dir morgen machen! Kannst dich schon mal drauf freun!“

Und das Mädchen seufzte: „Schmuck, Tücher, Salben und Düfte! Wohlriechende Düfte! Ja, das sind wirklich wundervolle Geschenke!“

Der Bauer dagegen besaß weder Schmuck noch Geld. Traurig setzte er sich neben die uralte Linde, die bei seinem Haus stand, und Tränen traten ihm in die Augen, weil er wusste, dass er seine große Liebe verlieren würde. Damit ihn niemand weinen sehen konnte, kletterte er auf den dicht belaubten Baum. Da nahm er seine Schere und schnitt, an seine große Liebe denkend, jedes Lindenblatt zu einem Herzen aus. Die ganze Nacht war er auf dem Baum und schnitt Blatt für Blatt und dann sogar die ganze Baumkrone in Herzform, bis er schließlich todmüde auf dem Baum einschlief.

Am nächsten Morgen erwartete das Mädchen die beiden Männer. Doch nur der junge Händler erschien. „Hier!“ rief er fröhlich. „Hier habe ich den wundervollsten Schmuck für dich, ein Armband aus purem Gold und eine Halskette voller Edelsteine! Und schau nur! Salben und Düfte aus dem fernsten Orient!“

Das Mädchen antwortete: „Das ist sehr lieb von dir! Und, ja, das sind die schönsten Geschenke, die ich je bekommen habe! Aber … warum bist du alleine hier?“

„Keine Ahnung!“ antwortete der Händler. „Was weiß denn ich, wo dieser Bauer steckt!“

Aber das Mädchen wollte dem jungen Bauern noch eine Chance geben, also ging sie zu seinem Haus. Als sie die Linde sah, blieb sie wie angewurzelt stehen. Ihr Herz pochte und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Da kletterte der junge Bauer traurig von der Linde, enttäuscht, weil er seiner Liebsten kein kostbares Geschenk machen konnte. Aber sie lief zu ihm, küsste ihn und sagte unter Tränen der Rührung: „Das ist das schönste, kostbarste und wertvollste Geschenk, das ich je in meinem Leben bekommen habe! Du liebst mich wirklich! Über alles! Und ich, ich liebe dich!“

Oh ja, das Mädchen hatte erkannt, welch großes Herz der Bauer hatte, so groß wie die alte Linde. Und noch unter der Linde versprachen sich das Mädchen und der Bauer ewige Liebe.

Alle Dorfbewohner staunten und beglückwünschten den jungen Bauern zu seinem Geschenk. Und selbst der unterlegene Händler und Kaufmann respektierte das Geschenk und meinte: „Naja, nicht übel! Muss man erst mal drauf kommen! Aber ich gebe zu, das ist wirklich das allerschönste Geschenk!“

Die alte Linde jedoch, die die beiden Liebenden beobachtete und all die Freude sah und all das Glück, war so glücklich und gerührt, dass sie beschloss, die Herzform beizubehalten. Und deshalb tragen alle Linden auch heute noch die Herzform in den Blättern und in der Krone.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Der Sage zufolge, die zum ersten Mal im 15. Jahrhundert erzählt wurde, verlebte Katharina von Orlamünde in der Einsamkeit der Burg Lauenstein ihre Jugend. Herangewachsen erhörte sie die Werbung ihres Vetters, des Grafen von Orlamünde, der sie – kaum achtzehnjährig – als seine Frau nach der Plassenburg ob Kulmbach heimführte.

Dort schenkte sie ihm zwei Kinder. Einen Buben und ein Mädchen. Nachdem der Gatte schon bald verstarb, erwählte Katharina Albrecht von Hohenzollern, den Burggrafen von Nürnberg zum Gemahl. Albrechts Eltern waren jedoch gegen diese Hochzeit und bedrängten Albrecht. Dieser eröffnete seiner Gemahlin, dass ihrem Glück „vier Augen“ im Wege stünden. Katharina, die von den Absichten der Eltern Albrechts nicht die geringste Ahnung hatte, bezog diese Andeutung unglücklicherweise auf ihre beiden Kinder. „Vom Liebeswahn betört“ erstach sie schweren Herzens die beiden Unschuldigen und bestattete sie heimlich nahe Kulmbach im Kloster Himmelkron.

Katharina sollte zunächst durch den Tod bestraft werden, erhielt aber auf einer Pilgerreise nach Rom die Absolution unter der Bedingung, nahe Nürnberg ein Kloster zu gründen, das „Himmelsthron“ heißen sollte.

Sie selbst musste den Rest ihres Lebens hinter Klostermauern verbringen. Katharina aber verfluchte in ihrer Not das Haus Hohenzollern und kündigte an, dass sie ihm durch ihre Erscheinen als „weiße Frau“ ewig Unglück anzeigen werde.

Zuerst erschien sie 1486 auf der Plassenburg, später soll sie dem Prinzen Louis Ferdinand 1806 vor der Schlacht von Saalfeld erschienen sein, bei er sein Leben lassen musste.

 

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Am Anfang der Zeiten, als Himmel, Erde und die Lebewesen geschaffen worden waren, war die Douglasie der größte und mächtigste Baum der Erde. Über und über war sie mit Zapfen bedeckt, die ja nichts anderes sind, als die Kinderstuben für die Samen dieses Baumes. Diese Samen liegen versteckt unter den harten Schuppen der Zapfen. Die Douglasie war sehr stolz auf ihre zahlreichen Kinder, die in den Zapfen heranreiften. Deshalb erschrak sie sehr, als sie eines Morgens bemerkte, dass einige Samen fehlten. Sie konnte sich dies nicht erklären und passte während des Tages auf, ob sich etwas Ungewöhnliches ereignete. Doch es geschah nichts und so schlief die Douglasie am Abend wieder beruhigt ein.

Am nächsten Morgen fehlten wieder einige Samen aus den Zapfen. Nun wusste die Douglasie, dass des Nachts, während sie geschlafen hatte, jemand die Samen gestohlen haben musste. Sie beschloss nun, die nächste Nacht nicht zu schlafen, sondern sich auf die Lauer zu legen. Es wurde dunkel. Die Douglasie spürte, wie sie müder und müder wurde, fast war sie eingeschlafen. Doch da – was war das? Etwas krabbelte sachte den Stamm des Baumes hinauf und huschte auf leisen Sohlen die Äste hinauf, an denen die Zapfen hingen.

Nun kletterte dieses Etwas auf die Zapfen und die Douglasie spürte, wie der unbekannte Eindringling an den unter den Zapfenschuppen verborgenen Samen zu zerren begann. Auch an den anderen Zapfen waren die ungebetenen Gäste am Werk. Da fasste sich die Douglasie ein Herz und ließ die Zapfenschuppen über den Fremdling zuschnappen. Es wurde hell und nun konnte die Douglasie erkennen, wen sie in der Nacht gefangen hatte und wer sich nun verzweifelt bemühte, aus der Falle wieder herauszukommen.

Es waren Hunderte kleiner Mäuse gewesen, die die Samen hatten stehlen wollen und nun mit ihren Köpfen unter den Zapfenschuppen gefangen waren. Und so sieht man noch heute – die Köpfe unter den Zapfenschuppen und die beiden Hinterbeine ins Freie gestreckt.

 

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Am Grenzstein, da wo der Weg nach Gräfenthal abwärts führt, liegt das Köchinnengrab. Das Volk weiss darüber folgendes zu berichten: Vor langen Jahren hat einmal auf dem Lauensteiner Schloss eine Köchin im Dienst gestanden; die war ein aussergewöhnlich hübsches Mädchen, aber ein sehr leichtfertiges Geschöpf, welches bald mit diesem, bald mit jenem eine Liebschaft unterhielt.

Die Folgen davon sollten nicht ausbleiben und so musste sie, um ihre gute Stellung auf dem Schlosse nicht einzubüssen, ihr Kind, als sie es heimlich zur Welt brachte, bei armen Tagelöhnern in einem Nachbardorfe verbergen.

Nicht lange darauf lernte sie einen braven jungen Bauernburschen, den einzigen Sohn wohlhabender Eltern, kennen. Dem hatte es das hübsche Mädchen angetan, sodass er ihr Herz und Hand antrug. Auch das Mädchen mochte den schmucken Burschen wohl leiden und wäre gar zu gern eine reiche Bauersfrau geworden. Aber da stand ihr das Kind im Wege, das sie ja ihrem zukünftigen Mann doch nicht länger verheimlichen konnte. Und da sie keine anderen Mittel und Wege zur Beseitigung des kleinen Geschöpfes fand, so nahm sie es eines Nachts hinauf zum Grenzstein und begrub es bei lebendigem Leibe.
Diese unerhörte Freveltat wurde bald ruchbar und das empörte Volk übte an der unnatürlichen Mutter grausame Vergeltung.

An den Haaren schleifte man sie zur Stätte ihres Verbrechens und bohrte ihr daselbst einen glühenden Pfahl mitten durchs Herz. Dort oben am Grenzstein, wo sie ihr Kind verscharrt hatte, liegt auch sie begraben; und wer an gewissen mondhellen Nächten um die Mitternachtsstunde des Weges geht, der sieht das Mädchen auf dem Steine hocken und mit den Fingern die Erde nach ihrem toten Kinde durchwühlen. Andere wollen dort zur Nacht-zeit einen Leichenzug gesehen und Gesang und Glockenläuten vernommen haben.

Das Köchinnengrab - Ein geheimnisvoller Flurname bei Lauenstein

Ein geheimnisvoller Flurname bei Lauenstein (historische Betrachtung von Kreisheimatpfleger und Stadtarchivar Siegfried Scheidig)

Wo der alte Verbindungsweg von Lauenstein nach Gräfenthal die Gemeindegrenze, die hier mit der bayerisch-thüringischen Landesgrenze identisch ist, erreicht, findet man rechts des Weges einige alte bearbeitet Sandsteinfragmente, die über die historische Bedeutung dieses Platzes Aufschluss gibt.

Seit vielen Generationen wird diese Flurstelle in der Bevölkerung einfach als „Grenzstein“ bezeichnet. Der eigentliche Name dieses Ortes geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Auf historischen Landkarten und in vielen Grenzbeschreibungen des früheren Amtes Lauenstein findet man die Bezeichnung „Frauengrab“„bey der Köchin Grab“, „Köchinnengrab“ oder „Köchingrab“.

Was hat es mit diesem eigentümlichen Namen auf sich? In der vom Lauensteiner Burgherrn, Dr. Erhard Messmer, nach Erzählungen der Bevölkerung zusammengetragenen und im Jahr 1902 erstmals veröffentlichten Sammlung „Sagen und Sänge vom Lauenstein und Loquitztal“ findet man die Erzählung: „Das Köchinnengrab“.1

Mein Großvater (geb. 1893) erzählte mir des Öfteren, dass zu seiner Jugendzeit oben am „Grenzstein“ noch zwei Steinbuckel zu sehen waren, von denen „die Alten“ sagten, es seien die beiden Grabsteine einer Köchin und ihres Kindes.

Bei diesen „Steinbuckeln“ handelte es ich wohl um Fragmente von früheren Grenzsteinen, wie sie an dieser Stelle in größerer Anzahl vorhanden waren und zum Teil noch sind. Vor wenigen Jahren wurden die im Gelände herumliegenden Sandsteine von Lauensteiner Heimatfreunden am ursprünglichen Standort wieder eingegraben und mit einer Informationstafel versehen.

Der heute als „Grenzstein“ bezeichnete Flurteil war seit jeher ein markanter Ort. Hier kreuzte die uralte Verbindungsstraße von Lauenstein ach Gäfenthal den von Lichtenhain herkommenden und ins so genannte „Geiersnest“ führenden Grenzweg, der 1501 erstmals beschrieben wurde.2 Er bildet die Grenze zwischen den ehemaligen Herrschaften bzw. Ämtern Lauenstein und Gräfenthal. Im Jahr 1394 hatte Graf Otto von Orlamünde, Herr zu Lauenstein, seine Herrschaft Gräfenthal an den Markgrafen Wilhelm von Meißen verkauft und wieder als Lehen empfangen. Damit erlangte diese bis dahin nur auf dem Papier bestehend Grenzlinie eine, wenn auch noch untergeordnete Bedeutung. Mit dem Erbteilungsvertag der Grafen von Orlamünde von 1414 und dem anschließenden Verkauf der Herrschaft Lauenstein 1427 an den Markgrafen Friedrich von Brandenburg wurde diese Grenze zwischen den bis dahin vereinigten orlamündischen Herrschaften endgültig gefestigt. Die auf sächsischem Gebiet liegende Herrschaft Gräfenthal kam bald als Lehen an die Reichserbmarschälle von Pappenheim du die markgräflich-brandenburgische Herrschaft Lauenstein ach verschiedenen Besitzerwechseln an die Ritter von Thüna. Fast gleichzeitig nahmen die jeweiligen Landesherren im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wieder Besitz von den aneinandergrenzenden Herrschaftsgebieten und wandelten diese in Verwaltungsämter um.  Zu Beginn des 19. Jahrhunderts grenzten hier das Herzogtum Sachsen-Saalfeld-Coburg (ab 1826 Herzogtum Sachsen-Meiningen) auf der einen Seite und das Königreich Preuße (bis 1803), das Kürfürstentum bzw. ab 1806 Königreich Bayern auf der anderen Seite aneinander. 1920 kam das Herzogtum Sachsen Meiningen zum Land Thüringen  und aus dem Königreich Bayern wurde 1919 der Freistaat Bayern.

Die Jahrhunderte alte Herrschafts-, Landes-, Gerichts- und Jagdgrenze wurde nach 1945 als „Zonengrenze“ zwischen der amerikanisch und der sowjetisch besetzten Zone allmählich zum unüberwindlichen „Todesstreifen“, der die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik trennte. Nach 1945 war der „Grenzstein“ einige Jahre Grenzkontrollstelle am Ortsverbindungsweg von Lauenstein nach Gräfenthal zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Besatzungszone. Nahe beieinander standen auf bayerischem und auf thüringischem Gebiet die Kontrollbaracken der Amerikaner und der Russen. Nur wenige Schritte vom „Köchinnengraf“ traf nach der Auflösung des Landes Thüringen im Jahr 1952 die Grenze zwischen DDR-Bezirken Gera und Suhl auf die bayerische Grenze.

In vielerlei Hinsicht war diese Stelle an der Grenze ein markanter, wichtiger Grenzpunkt, der über Jahrhunderte mit einem Wappenstein markiert war. Der letzte Wappenstein wurde 1725 gesetzt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts trat an seiner Stelle ein einfacher Sandstein mit den Buchstaben HSM (für Herzogtum Sachsen Meiningen) und KB (für Königreich Bayern). Das Fragment dieses Steines hatte man im Zuge der deutsch-deutschen Grenzvermessung 1975/76 durch einen Granitstein mit der Aufschrift DDR ersetzt, der kurz nach der Wiedervereinigung gestohlen wurde.

Anlässlich dieser deutsch-deutschen Grenzvermarkung entfernte man auch die im Grenzverlauf bzw. knapp daneben liegenden Sandsteine, die nach der Überlieferung die Grabsteine einer Köchin und ihres Kindes gewesen sein sollen.

 

Was hat es nun mit diesem Köchinnengrab auf sich?
Die Sage erzählt in blumiger Sprache von einer Köchin auf der Burg Lauenstein, die des Mordes an ihrem heimlich geborenen Kind beschuldigt und überführt wurde. Das Kind soll sie am Grenz- oder Kreuzweg zwischen Lauenstein und Gräfenthal lebendig begraben haben. Sie sei an gleicher Stelle durch die Strafe des Lebendigbegrabens und Pfählens gerichtet und verscharrt worden.

Fast jede Sage bzw. Überlieferung hat einen wahren Kern. Oft ist allerdings eine so lange Zeit darüber verstrichen und das Geschehene in den Erzählungen des Volkes so stark verschliffen, dass die ursprüngliche Begebenheit nicht mehr oder nur noch sehr schwer zu interpretieren ist.

Die Sage vom Köchinnengrab ist wohl einer der wenigen Fälle, wo der Fund einer historischen Quelle die Überlieferung weitgehend bestätigt.

Die Flurbezeichnung „Frauengrab“ oder „Köchinnengrab“ findet man vom 17. bis zum 19. Jahrhundert auf einer Vielzahl von Landkarten und in zahlreichen Dokumenten, hauptsächlich aber in Grenzbeschreibungen des markgräflich-brandenburgischen Amtes Lauenstein. Mehr als der bloße Name ist aber in der Regel nicht vermerkt.

Nur ein Protokoll vom 29. August 1665 enthält über die Bedeutung dieses seltsamen Namens weitere Informationen. Es handelt sich um die Niederschrift einer Grenzbereitung, verfasst von dem Baumeister und Kartographen Martin Frank (Martinus Franck p. t. Chur-Bayrl. Ing.). Die Grenzbereitung wurde begonnen am „25. Augusti Anno 1665“.

„Die Grentz Bereitung Bey dem Fürstl. Brandenb[ur]g[ischen] Casten Ampt und Gericht Lauenstein vorgenommen, den Anfang selbsten gemacht. Zur Lincken Hand oberhalb Lauenstein auffm Creutz Weg, der von Gräffenthal gen ermelten Lauenstein; der andere aber, alß Grentzweg gegen den Wald, das Geyersnest genand, zugehet, an dem Ort, da es das Frauen-Grab genannt wird, doselbsten der posteritet (Nachkommenschaft) Außsage nach (die es von ihren Eltern: und Voreltern haben) eine Köchin, die auffn Hauß Lauenstein gefienet, umb ihres Kindes heimblichen Mordthat willen, lebendig durch das Hertz angepfählet, und also dabei eingescharret worden. An diesem Ort des Creutzwegs stehen Zwey Buchen, davon die eine etwas ausgefaulet und an dieser Buchen der Marckstein stehet, in der Zahl der erste.“3

Soweit der Auszug aus der Grenzbeschreibung des Amtes Lauenstein. Das Wesentliche der überlieferten Sage wird durch diesen historischen Text bestätigt.

Stellt sich die Frage nach der Zeit, in der dieses grausame Ereignis stattgefunden haben könnte. In dem vorstehenden Text der „Grenzbereitung“ ist von Eltern und Voreltern, die diese Geschichte mündlich überliefert hatten, die Rede.  „Voreltern“ ist in diesem Fall gleichbedeutend mit „Großeltern“. Rechnet man von 1665 zwei, drei Generationen zurück, so hätte dieses Ereignis in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts stattgefunden.

Einen weiteren Anhaltspunkt könnte der historische Zeitraum der Anwendung dieser grausamen Strafe bieten. Im Sachsenspiegel und den mittelalterlichen Reichsgesetzen ist die Strafe des „Lebendigbegrabens“ nicht enthalten. Erstmals zu finden ist sie in der „Peinlichen Halsgerichtsordnung“ Kaiser Karls V., der so genannten „Carolina“, die auf dem Regensburger Reichstag von 1532 verabschiedet wurde.

„Die Carolina fordert sie nur für Kindesmord. Trotzdem fand diese Strafe Anwendung und zwar hauptsächlich an Frauen und an Männern, die das Verbrechen der Unzucht begangen hatten. Wie diese Strafe genau vollzogen wurde, ist aus den vorhandenen Quellen nicht mit Sicherheit zu entnehmen. Mit Wahrscheinlichkeit ist jedoch folgendes anzunehmen: Der Täter wurde lebend und gefesselt in eine am Galgen ausgehobene Grube gelegt und diese über ihm zugeschüttet. Um eine Wiederkehr des Gerichteten zu erschweren, legte man ihn, wie bei einem Selbstmörder, mit dem Gesicht nach unten und häufte über seinen Grab Dornengestrüpp auf. Lag der Delinquent auf dem Rücken, so steckte man ihm ein Rohr in den Mund, nicht um ein Atmen zu ermöglichen, sondern um der Seele die Möglichkeit zu geben, auszufahren (Seelenloch). In engster Verbindung zum Lebendigbegraben stand das Pfählen. Nach dem Begraben wurde ein Pfahl in die Grube und durch den Gerichteten getrieben. Dies geschah einerseits wieder aus Aberglauben um eine Wiederkehr des Toten zu erschweren, andererseits aber um den Tod rasch eintreten zu lassen. Darüber hinaus hatte das Pfählen noch die Bedeutung einer spiegelnden Strafe für den Notzuchtverbrecher, wobei die Frau, welche Opfer seiner Tat war, die ersten drei Schläge ausführen durfte, den Rest erledigte der Henker.
Lebendigbegraben und Pfählen gehörten aber nicht zu den oft angewandten Strafen und verschwanden mit dem Beginn der Neuzeit fast ganz aus dem Strafgebrauch.“
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Der „Beginn der Neuzeit“ ist nun so genau nicht zu definieren. Er liegt nach einschlägiger Literatur in der Zeit zwischen Mitte des 15. Und der Mitte des 17. Jahrhunderts (frühe Neuzeit). Die Strafe des „Lebendibegrabens“ dürfte aber nach anderen Quellen nach 1600 kaum noch ausgesprochen bzw. ausgeführt worden sein. Allerdings ist im Landkreis Kronach ein weiterer Fall in Stockheim aus dem Jahr 1604 bekannt, wo man diese Strafe über eine Kindsmörderin verhängte. Sie wurde allerdings dann zu einer „milderen“ Todesart „begnadigt“.

„Auf Frauen, vorzüglich Schwangere, wurde Rücksicht genommen. Barbara Georg sollte wegen dreifachen Kindsmordes lebendig begraben werden. Der Bischof bestimmte, daß sie mit dem Schwert hinzurichten und der Körper auf das Rad zu legen sei, mit glühenden Zangen und Wasser sei sie zu verschonen; zum Exempel sollte jedoch durch den Nachrichter zwei Tage vor der Exekution „ein grab und Stickhel (Pfahl oder Pflock) offentlich gemacht“, nachher aber das gemilderte Urteil verlesen werden“.5

Es blieben also vornehmlich die zweite Hälfte des 16. Und die ersten Jahre des 17. Jahrhunderts als „Tatzeit“ übrig. Nun gibt es aber noch eine recht merkwürdige Quelle, die einen Hinweis auf dieses Ereignis geben kann und die so viele erstaunliche Parallelen bietet, dass man kaum davon sprechen kann, dass dieses auf Phantasie oder Zufall beruht. In der Chronik der Stadt Kronach von Georg Fehn ist das Protokoll des ersten „formvollendeten Hexenprozesses“ Kronachs im Jahr 1594 niedergeschrieben. Darin findet man Erstaunliches:6

„Barbara Zaupffin, Ceorg Zaupffens Wittib, von Cronach hatte auf zweimalige gütliche und peinliche Befragung“ (Folter) eine Anzahl Diebstähle eingestanden. Von Zauberei ist dabei nichts vermerkt. Erst beim dritten Verhör am 12.9. bekannt die Angeklagte auf die von Bamberg aus übersandten und vorgehaltenen Artikel: „an Ostern vor 2 Jahren sei sie zu der „Tünischenn kochinn geinn Herzfeldt bei Tuchel gelegen, zur Herberg eingezogen, wo sie 6 Wochen gewohnt habe. Die Köchin soll sich in Erfurt aufhalten, wo ihr Friederich von Thunn (Friedrich von Thüna der Jüngere, Herr auf Burg Lauenstein) ein Häuslein gekauft habe, weil sie wegen Blutschande und zweifachem Kindsmord flüchten musste. Seitdem sei sie nicht mehr nach Herzfeldt gekommen.

Wegen Nahrungssorgen konnten Beide nicht viel miteinander reden. Sie habe ihr Lebtag kein Wetter gemacht, aber die Thünische Köchin habe zwei grüne Steine gehabt von der Größe eines Hühnereis, die sie in das Wasser gelegt, und dann mit zwei Quirlen gequirlt und etliche Worte dazu gesprochen hat, worauf Wolken aufgeschossen und ein Wetter entstanden ist.
Da der Wein heuer im Frühling erfroren sei, hätten die Thünische Köchin und Margret von Judenbach das kalte Wetter unter einem Schiff bei Bamberg gemacht. Wie sie ihn (den Zauber) getan, das konnte sie nicht sagen, aber das genannte Zeug, hatte die Thünische Köchin bei ihr gehabt. Danach seien die Köchin und Margreta von Judenbach von Bamberg herauf gegangen, hätten im „pingertleinn“ (wohl Biergarten) bei Kronach in der Woche Exaudi (Woche vor Pfingsten) ein Feuer geschürt. Die Margret von Judenbach habe eine Grube gegraben, die zwei grünen Steine aufeinander geschlagen und es habe Feuer gegeben. Danach habe sie auch gequirlt und gesagt, „ich will einn kelt machen, das die muhlenn sollenn einpacken“. Sie wäre nicht mehr bei dem Wetter zu Erfurt, dann bei zwei Frösten zu Bamberg und Kronach gewesen. Zu Blanckenberg hätte die Tunische Köchin auch ein Wetter gemacht, sie wäre aber nicht dabei gewesen, sie hätte ihr nur davon gesagt (erzählt).
Sie kenne sonst keine Zauberin als die Thünische köchinn, und Margret von Judenbach. Die Thünische köchinn soll sich jetzt zu Bamberg auf dem Kaulberg bei ihrem Schwager aufhalten, und wohl gekleidet bürgerlich einhergehen. Sie habe sonst nichts gesehen, als die zwei grünen Stein und zwei Quirle.

Das erste Mal, sei sie mit der Tunischenn kochinn vor 3 Jahren zu Erfurt gewesen und bei Kranichfeld auf dem Feld gangen. Es wäre ihnen einer begegnet, der wäre bekleidet gewesen, wie ein Bauersmann. Der habe der Köchin Geld gegeben. Da sie nun das Geld empfangen habe, hätte er ihr mit einem „Pfriemen“ oder Ahle in die Ferse des linken Fußes gestochen, dass das Blut heraus geflossen sei. Er habe das Blut auf einem Papier gefasst und es der Tünichenn kochinn gegeben. Sie solle damit nach Erfurt zu den „Schnorren“ gehen, und einen Brief davon schreiben lassen. Ob nun solches geschehen sein, wüsste sie nicht. Der Satan feinde sie nicht an, und sie hoffe, dass sie wieder lebendig werde, wenn sie täglich fleißig bete.

Das andere Mal, heuer im Frühling wäre der böse Feind um zehn Uhr vormittag im „pigenhoff“ (Bienenhof) bei dem Backofen der kochinn, Margreta von Judenbach und ihr „verhafftinn“ (der Verhafteten) in Gestalt eines Menschen, schwarz gekleidet, erschienen, und hätte zu ihnen gesagt, der Wein werde heuer wohl geraten, deswegen habe er befohlen, sie sollten eine Kälte machen, dass erfröre, oder er wolle ihnen die Hälse brechen.

So hätten sie seinem Gebot folgen müssen, aber sie “verhafftinn“ (Verhaftete) habe nur zugesehen, und nichts dabei getan. Sie hätte nicht gewusst, dass der, so mit den beiden Zauberinnen geredet habe, der böse Feind (Teufel) gewesen sei, „aber do erh hinwegk kommen, het eine gesagt, sahest du nicht darauf, das ehr geiß fuß hette“.

Auf den 18., 19., 20., 21., 22., 23. Und 24. Artikel wolle die Verhaftete nichts bekennen, fürgebend, sie sei für sich selbst keine Zauberin und habe sich diese Dinge nie angemaßt.

Am 24.9.1594 kam von Bamberg der Befehl, die „Zaupffin vff einenn karrenn“ dahin zur Hofhaltung schaffen zu lassen. Der Ausgang des Prozesses ist unbekannt. Es dürfte aber als sicher gelten, dass die Angeklagte nicht mehr zurückgekehrt ist; denn das in Kronach abgelegte „Geständnis“ war schon hinreichend zum Scheiterhaufen.6

Der Wahrheitsgehalt eines unter der Folter erpressten „Geständnisses“ ist wohl mehr als fragwürdig. Dennoch tauchen in dieser abenteuerlichen Geschichte erstaunliche Aussagen zu der Gestalt der Köchin der Herren von Thüna auf Burg Lauenstein auf, die sich zumindest in Bezug auf den Jahrzehnte später dokumentierten Kindermord mit Überlieferung decken.

Geschah diese Tat um 1590? Ereilte zu Beginn der 1590er Jahre die Täterin die auf Kindsmord stehende Strafe des Lebendigbegrabens und Pfählens an der Grenze der Herrschaft Lauenstein, hoch über der Burg Lauenstein? Vieles spricht dafür.

Rührte die Vollstreckung einer selten angewandten, grausamen Strafe die Volksseele im weiten Umkreis so auf, dass dieses Ereignis selbst in den phantasierenden, unter der Folter erpressten Aussagen eines Hexenprozesses einen Niederschlag fand? Viele Fragen, die letztendlich nicht vollständig aufzuklären sind.

 

Dass aber dieses „Ereignis“ wirklich stattgefunden hat, dürfte unzweifelhaft sein. Schon allein der Flurname ist dafür ein sicheres Indiz. Die Entstehung solcher Namen ist kein Zufall.
Erstmals taucht er im Titel einer Grenzbeschreibung aus dem Jahre 1659 auf: „Von der Frauen Grabe an, bis zu den zweyen Geleytsteinen uf der Judenbacher Strasse beym Sattelgrund. Anno 29. Augusti bis 1. Septembris 1659“.7

Die nächste Erwähnung ist die eingangs zitierte Grenzbeschreibung von Martin Frank aus dem Jahr 1665, wo im Titel „von der Köchin Grab“ und im Text vom „Frauengrab“ die Rede ist.3 Ebenso wurde die Örtlichkeit auf einer dazugehörigen Karte von Martin Frank als „Frauengrab“ bezeichnet.8 Auf einer Karte des Amtes Lauenstein um 1700 findet man das „Köchin Grab“9 und auf einer Grenzkarte der Ämter Lauenstein und Probstzella ist die Stelle 1756 mit „Bey. der Köchin Grab“ bezeichnet.10 Auch auf der preußischen Militärkarte des Fürstentums Bayreuth von 179911 und einer auf deren Grundlage gezeichneten Karte des Landgerichts Lauenstein aus dem Jahr 1804 findet sich die Flurbezeichnung „Köchingrab“.12

Bis ins beginnende 19. Jahrhundert hinein war also dieser eigentümliche Flurname in amtlichen Karten und Dokumentationen gebräuchlich. Dann geriet er allmählich in Vergessenheit. Nur in der Sage lebte er weiter.

 

Quellen:

1 Messmer, Erhard: Sagen und Sänge vom Lauenstein und Loquitztal. Erstausgabe: Verlag Fischer und Franke, Berlin 1902

2 StBbg. Rep. A222/2;0Nr. 7052a. Zinsregister der Herrschaft Lauenstein 1501.

 

 

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

(Originaltitel: „Die goldene Thür am Falkenstein“ aus „Sagen und Sänge vom Lauenstein und Loquitzgrund“)

Alte Leute im Dorfe Lauenstein wissen noch heutigen Tages von einem geheimen Gang zu erzählen, welcher ehedem von den tiefen Kellern des Schlosses durch das Burginnere herunter bis auf die Thalsohle und von da weiter bis zum Falkensteiner Hammer geführt hat und erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts verschüttet wurde. Der Sage nach sollen dort einstmals in Kriegsnöten unermessliche Schätze von den Lauensteiner Burgherren vergraben worden sein, die noch heutigen Tages daselbst verborgen liegen und von Rittern gehütet werden.

Einstmals gingen zwei arme Kinder von Lauenstein in den Wald, um Beeren zu pflücken; sie kamen dabei immer tiefer in das Waldesdickicht hinein und da sahen sie auf einmal eine goldene Thür vor sich im Felsen. Als sie darauf zueilten, sprang sie plötzlich vor ihren Augen auf und nun erblickten sie zu ihrem großen Erstaunen einen langen Gang, dessen Boden, Decke und Wände von Gold und Edelsteinen funkelten. Voller Freude eilten sie heim, um ihre Eltern zu holen; denn nun, meinten sie, sei alle Not und Sorge zu Ende.

Als sie aber wieder mit Vater und Mutter zu der Stelle kamen, war die goldene Thür mit dem Gang verschwunden und soviel sie auch suchten, sie konnten nichts mehr davon entdecken.

Wer aber ein Sonntagskind ist und trunkfest dazu, der soll einmal am ersten Mittwoch nach Neujahr zum Falkensteiner Hammer wandern und dort an lustiger Tafelrunde seinen Durst an dem flüssigen Golde, welches man dort braut, zu stillen suchen.

Wenn er dann um die Mitternachtsstunde beim dreizehnten Masskrug sich schweigend erhebt und die Spitze des Falkensteins erklimmt, ohne zu wanken, dann wird sich der Berg vor ihm aufthun und unermessliche Schätze werden ihm zufallen.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Es war einmal ein armer Holzhacker, der arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht. Als er sich endlich etwas Geld zusammengespart hatte, sprach er zu seinem Jungen: „Du bist mein einziges Kind, ich will das Geld, das ich mit saurem Schweiß erworben habe, zu deinem Unterricht anwenden; lernst du etwas Rechtschaffenes, so kannst du mich im Alter ernähren, wenn meine Glieder steif geworden sind und ich daheim sitzen muß.“ Da ging der Junge auf eine hohe Schule und lernte fleißig, so dass ihn seine Lehrer rühmten, und blieb eine Zeitlang dort. Als er ein paar Schulen durchgelernt hatte, doch aber noch nicht in allem vollkommen war, so war das bisschen Armut, das der Vater erworben hatte, draufgegangen, und er musste wieder zu ihm heimkehren.

„Ach,“ sprach der Vater betrübt, „ich kann dir nichts mehr geben und kann in der teuren Zeit auch keinen Heller mehr verdienen als das tägliche Brot.“ – „Lieber Vater,“ antwortete der Sohn, „macht Euch darüber keine Gedanken, wenn’s Gottes Wille also ist, so wird’s zu meinem Besten ausschlagen; ich will mich schon dreinschicken.“ Als der Vater hinaus in den Wald wollte, um etwas am Malterholz (am Zuhauen und Aufrichten) zu verdienen, so sprach der Sohn: „Ich will mit Euch gehen und Euch helfen.“ – „Ja, mein Sohn,“ sagte der Vater, „das sollte dir beschwerlich ankommen, du bist an harte Arbeit nicht gewöhnt, und hältst das nicht aus; ich habe auch nur eine Axt und kein Geld übrig, um noch eine zu kaufen.“ – „Geht nur zum Nachbar,“ antwortete der Sohn, „der leiht Euch seine Axt so lange, bis ich mir selbst eine verdient habe.“

Da borgte der Vater beim Nachbar eine Axt, und am andern Morgen, bei Anbruch des Tages, gingen sie zusammen hinaus in den Wald. Der Sohn half dem Vater und war ganz munter und frisch dabei. Als nun die Sonne über ihnen stand, sprach der Vater: „Wir wollen rasten und Mittag halten, hernach geht’s noch einmal so gut.“ Der Sohn nahm sein Brot in die Hand und sprach: „Ruht Euch nur aus, Vater, ich bin nicht müde, ich will in dem Wald ein wenig auf und ab gehen und Vogelnester suchen.“ – „O du Geck,“ sprach der Vater, „was willst du da herumlaufen, hernach bist du müde und kannst den Arm nicht mehr aufheben; bleib hier und setze dich zu mir!“

Der Sohn aber ging in den Wald, aß sein Brot, war ganz fröhlich und sah in die grünen Zweige hinein, ob er etwa ein Nest entdeckte. So ging er hin und her, bis er endlich zu einer großen, gefährlichen Buche kam, die gewiss schon viele hundert Jahre alt war und die keine fünf Menschen umspannt hätten. Er blieb stehen und sah sie an und dachte: Es muss doch mancher Vogel sein Nest hineingebaut haben.

Da war ihm auf einmal, als hörte er eine Stimme. Er horchte und vernahm, wie es mit so einem recht dumpfen Ton rief: „Laß mich heraus, laß mich heraus!“ Er sah sich ringsum, konnte aber nichts entdecken, doch es war ihm, als ob die Stimme unten aus der Erde hervorkäme. Da rief er: „Wo bist du?“ Die Stimme antwortete: „Ich stecke da unten bei den Eichwurzeln. Laß mich heraus, laß mich heraus!“ Der Schüler fing an, unter dem Baum aufzuräumen und bei den Wurzeln zu suchen, bis er endlich in einer kleinen Höhlung eine Glasflasche entdeckte. Er hob sie in die Höhe und hielt sie gegen das Licht, da sah er ein Ding, gleich einem Frosch gestaltet, das sprang darin auf und nieder. „Laß mich heraus, laß mich heraus!“ rief’s von neuem, und der Schüler, der an nichts Böses dachte, nahm den Pfropfen von der Flasche ab. Alsbald stieg ein Geist heraus und fing an zu wachsen und wuchs so schnell, daß er in wenigen Augenblicken als
entsetzlicher Kerl, so groß wie der halbe Baum, vor dem Schüler stand. „Weiß du,“ rief er mit einer fürchterlichen Stimme, „was dein Lohn dafür ist, daß du mich herausgelassen hast?“ – „Nein,“ antwortete der Schüler ohne Furcht, „wie soll ich das wissen?“ – „So will ich dir’s sagen,“ rief der Geist, „den Hals muß ich dir dafür brechen.“ – „Das hättest du mir früher sagen sollen,“ antwortete der Schüler, „so hätte ich dich stecken lassen; mein Kopf aber soll vor dir wohl feststehen, da müssen mehr Leute gefragt werden.“ – „Mehr Leute hin, mehr Leute her,“ rief der Geist, „deinen verdienten Lohn, den sollst du haben. Denkst du, ich wäre aus Gnade da so lange Zeit eingeschlossen worden, nein, es war zu meiner Strafe; ich bin der großmächtige Merkurius. Wer mich loslässt, dem muss ich den Hals brechen.“ – „Sachte,“ antwortete der Schüler, „so geschwind geht das nicht, erst muss ich auch wissen, dass du wirklich in der kleinen Flasche gesessen hast und dass du der rechte Geist bist; kannst du auch wieder hinein, so will ich’s glauben, und dann magst du mit mir anfangen, was du willst.“

Der Geist sprach voll Hochmut: „Das ist eine geringe Kunst,“ zog sich zusammen und machte sich so dünn und klein, wie er anfangs gewesen war, also dass er durch dieselbe Öffnung und durch den Hals der Flasche wieder hineinkroch. Kaum aber war er darin, so drückte der Schüler den abgezogenen Pfropfen wieder auf und warf die Flasche unter die Buchenwurzeln an ihren alten Platz, und der Geist war betrogen.

Nun wollte der Schüler zu seinem Vater zurückgehen, aber der Geist rief ganz kläglich: „Ach, lass mich doch heraus, lass mich doch heraus!“ -„Nein,“ antwortete der Schüler, „zum zweiten Male nicht: Wer mir einmal nach dem Leben gestrebt hat, den lass ich nicht los, wenn ich ihn wieder eingefangen habe.“ – „Wenn du mich freimachst,“ rief der Geist, „so will ich dir so viel geben, dass du dein Lebtag genug hast.“ – „Nein,“ antwortete der Schüler, „du würdest mich betrügen, wie das erste Mal.“ – „Du verscherzest dein Glück,“ sprach der Geist, „ich will dir nichts tun, sondern dich reichlich belohnen!“ Der Schüler dachte: Ich will’s wagen, vielleicht hält er Wort, und anhaben soll er mir doch nichts.

Da nahm er den Pfropfen ab und der Geist stieg wie das vorige Mal heraus, dehnte sich auseinander und ward groß wie ein Riese. „Nun sollst du deinen Lohn haben,“ sprach er und reichte dem Schüler einen kleinen Lappen, ganz wie ein Pflaster, und sagte: „Wenn du mit dem einen Ende eine Wunde bestreichst, so heilt sie; und wenn du mit dem andern Ende Stahl und Eisen bestreichst, so wird es in Silber verwandelt.“ – „Das muss ich erst versuchen,“ sprach der Schüler, ging an einen Baum, ritzte die Rinde mit seiner Axt und bestrich sie mit dem einen Ende des Pflasters; alsbald schloss sie sich wieder zusammen und war geheilt. „Nun, es hat seine Richtigkeit,“ sprach er zum Geist, „jetzt können wir uns trennen.“ Der Geist dankte ihm für seine Erlösung, und der Schüler dankte dem Geist für sein Geschenk und ging zurück zu seinem Vater.

„Wo bist du herumgelaufen?“ sprach der Vater; „warum hast du die Arbeit vergessen? Ich habe es ja gleich gesagt, dass du nichts zustande bringen würdest.“ – „Gebt Euch zufrieden, Vater, ich will’s nachholen.“ – „Ja, nachholen,“ sprach der Vater zornig, „das hat keine Art.“ – „Habt acht, Vater, den Baum da will ich gleich umhauen, dass er krachen soll.“ Da nahm er sein Pflaster, bestrich die Axt damit und tat einen gewaltigen Hieb; aber, weil das Eisen in Silber verwandelt war, so legte sich die Schneide um. „Ei, Vater, seht einmal, was habt Ihr mir für eine schlechte Axt gegeben, die ist ganz schief geworden.“ Da erschrak der Vater und sprach: „Ach, was hast du gemacht! Nun muss ich die Axt bezahlen und weiß nicht womit; das ist der Nutzen, den ich von deiner Arbeit habe.“ – „Werdet nicht bös,“ antwortete der Sohn, „die Axt will ich schon bezahlen.“ – „O du Dummbart,“ rief der Vater, „wovon willst du sie bezahlen? Du hast nichts, als was ich dir gebe; das sind Studentenkniffe, die dir im Kopf stecken, aber vom Holzhacken hast du keinen Verstand.“

Über ein Weilchen sprach der Schüler: „Vater, ich kann doch nichts mehr arbeiten, wir wollen lieber Feierabend machen.“ – „Ei was,“ antwortete er, „meinst du, ich wollte die Hände in den Schoß legen wie du? Ich muss noch schaffen, du kannst dich aber heimpacken.“ – „Vater, ich bin zum ersten Mal hier in dem Wald, ich weiß den Weg nicht allein, geht doch mit mir!“ Weil sich der Zorn gelegt hatte, so ließ der Vater sich endlich bereden und ging mit ihm heim. Da sprach er zum Sohn: „Geh und verkauf die verschändete Axt und sieh zu, was du dafür kriegst; das übrige muss ich verdienen, um sie dem Nachbar zu bezahlen.“ Der Sohn nahm die Axt und trug sie in die Stadt zu einem Goldschmied, der probierte sie, legte sie auf die Waage und sprach: „Sie ist vierhundert Taler wert, soviel habe ich nicht bar.“ Der Schüler sprach: „Gebt mir, was Ihr habt, das übrige will ich Euch borgen.“ Der Goldschmied gab ihm dreihundert Taler und blieb einhundert schuldig. Darauf ging der Schüler heim und sprach: „Vater, ich habe Geld, geht und fragt, was der Nachbar für die Axt haben will.“ – „Das weiß ich schon,“ antwortete der Alte, „einen Taler sechs Groschen.“ – „So gebt ihm zwei Taler zwölf Groschen, das ist das Doppelte und ist genug; seht Ihr, ich habe Geld im Überfluss,“ und gab dem Vater einhundert Taler und sprach: „Es soll Euch niemals fehlen, lebt nach Eurer Bequemlichkeit.“ – „Mein Gott,“ sprach der Alte, „wie bist du zu dem Reichtum gekommen?“

Da erzählte er ihm, wie alles zugegangen wäre und wie er im Vertrauen auf sein Glück einen so reichen Fang getan hätte. Mit dem übrigen Geld aber zog er wieder hin auf die hohe Schule und lernte weiter, und weil er mit seinem Pflaster alle Wunden heilen konnte, ward er der berühmteste Doktor auf der ganzen Welt.

(Quelle: www.grimmstories)

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

         von Erich Kästner
Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Vor vielen, vielen Jahren lebten ein Mann und seine Frau am Rande eines Dorfes. Sie ernteten von ihrem kleinen Feld, was sie zum Leben brauchten. Es war die Zeit der Getreideernte und der Mann und die Frau arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Als sie am Abend erschöpft ihre Arbeit beendet hatten, sagte der Mann zu der Frau: „Liebste, wunderbarste Frau! Mach uns doch bitte zum wohlverdienten Feierabend ein paar leckere Eierkuchen!“

Die Frau jedoch sagte: „Ach, lieber Mann, heute nicht! Ich bin von der Arbeit völlig erschöpft, und außerdem haben wir kein Mehl mehr im Haus!“

Da sagte der Mann: „Stimmt schon! Ich bin auch sehr erschöpft und mit meinen Kräften am Ende. Aber um heute Abend Eierkuchen zu essen, würde ich sogar noch zum Müller gehen und Mehl holen!“

Da musste sich die Frau geschlagen geben, und der Mann machte sich auf den Weg zur Mühle. Um Zeit zu sparen, nahm er die Abkürzung durch den Wald. Die Abenddämmerung war zwar schon fortgeschritten und es wurde dunkel, aber der Mann kannte sich im Wald gut aus. Als er einige Zeit gegangen war, hörte er plötzlich das Rauschen zweier Buchen. Der Mann wartete einen Moment und sah, wie die Zweige dieser beiden Buchen sich berührten, als ob sie sich umarmen wollten. Und als er ganz genau hinhörte, vernahm er in dem Rauschen Worte und das Flüstern ihm wohl bekannter Stimmen.

Der eine Baum sagte zum anderen: „Ist dir kalt, Liebling? Mir scheint, dass du zitterst!“

Und der andere Baum sprach: „Ach ja, mir ist so kalt! Ich bin vollkommen durchgefroren, wie jede Nacht! Zum Glück gibt es heute Abend bei unserem Sohn Eierkuchen. Wenn er und seine Frau schlafen, können wir uns an ihrem Feuer wärmen.“

Darauf flüsterte der erste Baum: „Ja, gehen wir zu ihm und wärmen uns. Ich werde dich begleiten. Aber wenn du zu Lebzeiten auf mich gehört hättest, bräuchten wir jetzt nicht zu frieren. Wie oft hab ich dich gebeten, den Armen im Dorf zu helfen. Doch du, du hast immer gesagt, wir hätten selbst nicht genug. Dabei hätten wir helfen können. Dein kaltes Herz hat uns in diese Lage gebracht. Und zur Strafe musst du jetzt frieren, und ich auch, damit wir unsere Herzenskälte für immer selber fühlen.“

„Ich weiß, ich weiß!“ seufzte der andere Baum. „Und ich bereue ja auch, dass ich zu meinen Lebzeiten so wenig Mitleid hatte mit all jenen, denen es so viel schlechter ging als uns. Oh ja, ich bereue es zutiefst, dass ich so kalt und abweisend war.“

Dem Mann stockte der Atem. Er rannte durch den dunkeln Wald zum Müller, holte das Mehl und eilte nach Hause Die Frau machte die Eierkuchen. Aber beim Essen sah der Mann völlig verstört vor sich hin. Er rührte die Mahlzeit kaum an und wollte nur noch schlafen. Als die Frau wie immer die halb verbrannten Holzscheite aus dem Feuer ziehen wollte, bat der Mann: „Warte, liebste Frau! Lass das Holz im Kamin und lege noch ein paar Scheite nach.“

Das fand die Frau zwar etwas verwunderlich, widersprach dem Bauern aber nicht. Die beiden legten sich ins Bett und die Frau schlief gleich ein. Der Mann jedoch lag mit offenen Augen und Ohren im Bett und schaute durch das Fenster in den mondbeschienenen Garten. Und tatsächlich, eine halbe Stunde vor Mitternacht sah er, wie sich zwei Buchen seinem Haus näherten. Ihre gewaltigen Äste wogten hin und her. Plötzlich ging die Tür auf und seine verstorbene Mutter und sein verstorbener Vater kamen in ihrer einstmals menschlichen Gestalt ins Haus und setzten sich ans Feuer.

Der Alte sagte: „Schau nur! Unser Sohn hat das Feuer brennen lassen! Heute Nacht werden wir nicht frieren!“

Und die Alte meinte: „Jaja, unser Junge war schon immer ein guter Mensch. Er hat ein großes Herz! Er wird seine Mitmenschen gut behandeln, er wird Verständnis für sie haben, ihnen Mitleid und Güte entgegen bringen, und nicht die Fehler machen, die ich in meinem Leben begangen habe.“

Der Bauer weckte vorsichtig seine Frau und flüsterte ihr ins Ohr: „Schau! Schau, wer da am Feuer sitzt!“

Doch die Frau sagte: „Ich seh nichts! Da sitzt niemand! Was redest du denn?“

Da flüsterte der Mann: „Leg dein Bein auf mein Bein, dann kannst du vielleicht sehen, was ich sehe!“

Und tatsächlich, jetzt konnte auch die Frau die beiden am Feuer erkennen. Kurz nach Mitternacht standen die zwei Alten wieder auf und gingen zur Tür hinaus. Und in dem Moment, in dem sie das Haus verließen, verwandelten sie sich wieder in Buchen, so dass der Bauer und seine Frau durch das Fenster beobachten konnten, wie sich zwei große Buchen langsam hin und her schwankend vom Haus entfernten.

Nun erzählte der Bauer seiner Frau von dem Erlebnis im Wald. Und am nächsten Tag packten die beiden Brot, Eier, Käse und Kuchen in einen großen Korb, gingen ins Dorf und verteilten dort all das Essen unter den Ärmsten. Seit diesem Tag haben die beiden Buchen nicht mehr gefroren und man hat sie nie wieder klagen gehört. Und sie mussten auch niemals wieder zu ihrem Sohn ans Feuer kommen, um sich zu wärmen, sondern lebten viele, viele Jahrhunderte als große, glückliche Bäume im Wald.

Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:

Vor langer, langer Zeit, als die Welt noch voll war von Märchen und Sagen, waren auch die Baumgeister noch wohlgelitten. Um ihren Wald besser schützen zu können, verwandelten sich die guten Geister von Zeit zu Zeit in Menschen, um in den nahegelegenen Städten und Dörfern den Geschichten der Bürger zu lauschen. Wenn jedoch der Abend nahte, mussten die Baumgeister wieder in den Wald zurückkehren, da der Feenzauber nach Einbruch der Dunkelheit seine Kraft verlor.

Eines Tages jedoch verspätete sich eine der Baumfeen und als sie endlich den Wald erreichte, war es bereits finsterste Nacht. Was die arme Fee auch versuchte, es wollte ihr nicht gelingen, in ihren Baum zurückzukehren. So musste sie bis zum nächsten Morgen im Körper einer alten Frau eingesperrt bleiben. Heulend pfiff der Wind. Er zerrte an ihren Haaren und Kleidern und verstärkte die eisige Kälte. In ihrer Not bat die Fee die Bäume um Schutz, aber diese erkannten sie nicht und zeigten kein Mitleid. „Erst gestern haben mir die Menschen tiefe Kerben in meinen Stamm geschlagen“, brummte eine alte Fichte, „soll sie sehen, wie sie weiterkommt!“ „Und an uns hat einer sein Schwert gewetzt“, jammerte eine Schar junger Tannen mit abgeschlagenen Köpfen. Keiner half der frierenden Fau.

Verzweifelt lief sie weiter, bis sie unter einer riesigen Lärche niedersank und Kräfte und Sinne sie verließen.

„Mag sie auch ein Mensch sein“, grübelte die Lärche, die im Laufe der Zeit schon manchen menschlichen Frevel ertragen musste, „doch ich bin ein Baum des Lebens, und so will ich mich ihrer erbarmen. „Sanft ließ die Lärche ihre Nadeln fallen und hüllte die alte Frau in einen grünen Mantel, wärmte und beschützte sie.

Als am nächsten Morgen die Sonne die Fee weckte und sie ihre grüne Decke und die kahle Lärche sah, versprach sie dem hilfsbereiten Baum zum Dank, jedes Jahr ein neuen Kleid, lichtdurchflutet grün im Frühjahr sollte es sein, golden im Herbst. Dieses Versprechen hat sie bis heute gehalten.

 

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